10Feb

Die Liebe ist tot – es lebe die Liebe

Mit diesem Zitat hat ein ehemaliger Schulkollege von mir vor langer Zeit einen Aufsatz beendet. Ich weiss nicht genau, wieso mir dieser Satz in prägender Erinnerung blieb. Vielleicht, weil der Kommilitone mit seinen Ausführungen die Bestnote erhielt und ich nicht ohne Neid das brillante Fazit- verpackt in ein Oxymoron – anerkennen musste.

Mit dem Tod von Rosamunde Pilcher kam mir erwähntes Zitat wieder in den Sinn. Die Schriftstellerin verkaufte zu Lebzeiten rund 65 Millionen Bücher und zählt damit zu den kommerziell erfolgreichsten Schriftstellerinnen. Ihre kitschigen Liebesromanzen sind gänzlich der Fantasie entsprungen, persönlich hat sie nach eigener Aussage kaum je Liebe erfahren. Zum Leben erweckt wurden ihre idealisierten Schilderungen auch durch die Verfilmungen in der wunderbaren Landschaft von Cornwall. Die Diskrepanz zwischen realem Leben und Werk der Autorin könnte also  ausgeprägter kaum sein.

Wie manche Männer mussten sich von ihren Frauen oder Partnerinnen- vielleicht zu Recht – nach dem Konsum der pilcherschen “Herz-Schmerz-Saga” anhören, nicht der Idealvorstellung des Titelhelden zu genügen. Einwände wie der Hinweis, dass die Protagonisten kaum je bei der Ausübung einer Arbeit zu beobachten seien oder ganz grundsätzlich einen eher privilegierten Lebensstil zu pflegen scheinen, blieben ungehört. Die Realität spielt sich schliesslich auf der Leinwand ab.

Die Sehnsucht nach Perfektion findet heute auf den “Sozial-Media Kanälen” statt, wo ausschliesslich die schönen Momente für die interessierte Gemeinschaft in Bildern festgehalten werden, um der ganzen Welt zu zeigen, wie Glück aussieht. Oder aussehen sollte.  Nach dem dokumentierten Schnappschuss können die Fetzen ruhig wieder fliegen. Hauptsache, die Vorstellung und Fantasie des Betrachters wird bedient. Mit der Realität hat dieser Vorgang indessen so wenig gemein wie ein Rosamunde Pilcher Film. Leider? Zum Glück.

Die Liebe ist tot – es lebe die Liebe. Oder vielleicht das in der Metapher ausgedrückte Zugeständnis, dass in zwischenmenschlichen Beziehung nicht alles perfekt sein muss. Und trotzdem grossartig sein kann.  Das Leben schreibt immer noch die besten Geschichten. Ganz ohne Bildbearbeitungsfunktion oder Retuschen.

 

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