6Jun

Gedanken zum Glück

Glück ist Talent für das Schicksal. Dieses Zitat des deutschen Schriftstellers Novalis war thematischer Aufhänger der Festrede anlässlich der Maturafeier am Gymnasium Friedberg vom letzten Jahr. Der Satz – oder seine Interpretation – erlangte seine traurige Relevanz vor dem Hintergrund einer nicht bestandenen Maturaprüfung.

Eigentlich wissen wir es alle. Leid und Freude liegen oft nur einen Wimpernschlag entfernt, das Schicksal mischt seine Karten mit ganz eigener Logik. Diese Tatsache müsste uns eigentlich mit einer grossen Gelassenheit ausfüllen und letztlich auch befähigen, die wesentlichen von den unwesentlichen Dingen zu unterscheiden. Aus beruflicher Erfahrung weiss ich aber, dass man sich grundsätzlich über alles Erdenkliche echauffieren kann: Der Robidog steht zu nahe an der Grundstücksgrenze, der Nachbarshund bellt zu schrill oder die Kinder im Quartier benehmen sich – notabene in einer gar unverfrorener Weise – nicht wie junge Erwachsene. Verstehen Sie mich nicht falsch. Auch ich persönlich beobachte mich oft dabei, die Prioritäten falsch zu setzen und rege mich über Kleinigkeiten auf.

Vielleicht ist diese gedankliche Beschäftigung mit Problemstellungen, welche bildlich beschrieben bis zum Gartenzaun reichen, auch eine Art Selbstschutz. Einem Anspruch, sich mit all der Verzweiflung und dem Leid in dieser Welt tatsächlich auseinandersetzen zu müssen, kann wahrscheinlich niemand abschliessend gerecht werden. Trotzdem tun wir gut daran, die alltäglichen Probleme vor dem Hintergrund unseres privilegierten Lebens in der Schweiz immer wieder richtig einzuordnen. Eigentlich hätten wir allen Grund, glücklich zu sein. Lächelnde Menschen begegnen uns aber oft gerade unter den widrigsten Umständen menschlichen Daseins. Daher stimmt es wohl doch: Glück ist Talent für das Schicksal.

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