11Jun

Keine olympischen Winterspiele in der Schweiz – was dieser Entscheid auch bedeuten kann

Das Walliser Stimmvolk hat sich gegen die Ausrichtung von Olympischen Winterspielen in der Schweiz ausgesprochen. Der Weg von “Sion 2026” geht damit bereits wieder zu Ende.

Trotz prominenter Unterstützung von verschiedener Seite erteilte das Walliser Stimmvolk dem Projekt eine Absage. Die Begeisterung für die Ausrichtung von Grossanlässen scheint kaum mehr vorhanden, in der Schweiz hat das Stimmvolk nun vier Mal in Folge “Nein” zu einer Olympia-Kandidatur gesagt. Eine Ursache für diese erkennbare Unlust stellt möglichweise der zunehmende Gigantismus dar, welche mit der Durchführung der Wettbewerbe verbunden bleibt. Die häufig proklamierte Reduktion auf einen nachhaltigen Anlass erscheint dabei nicht viel mehr als blosse Worthülse und damit kaum geeignet, Vertrauen zu schaffen. Stichworte wie Nachhaltigkeit oder wirtschaftlicher Nutzen für die Region – und letztlich die ganze Schweiz – haben keine Überzeugungskraft mehr. Die Beispiele, bei welchen die Ausrichtung von Spielen ohne sichtbaren Impuls für die Zukunft blieb, sind zahlreich. Stimmbürgerinnen und Stimmbürger lassen sich bei solchen Abstimmungsfragen von einer gestenreichen, aber eher schlichten Motivationsrhetorik nicht mehr beeindrucken. Das ist im Grundsatz durchaus positiv. Nur, um es anlehnend an die Worten von Dölf Ogi zu formulieren: “Es herrscht keine Freude mehr”.  Es beschleicht mich in diesem Kontext ab und an der Verdacht, dass die Schweiz  zunehmend die Fähigkeit verliert, an Visionen zu glauben und lieber im angenehmen Realitätstrott verbleibt. Das ist bequem, uns geht es schliesslich gut und so soll es bleiben. Die Welt positiv verändern heisst aber auch, sich an Zielsetzungen zu orientieren, welche die Dimensionen einer schlichten “Kosten-Nutzen-Analyse” manchmal ausser Acht lassen. Damit verlassen wir unsere Komfortzone. Das ist unangenehm. Aber zur richtigen Zeit notwendig. Und diese Aussage gilt völlig unabhängig vom Entscheid des Walliser Stimmvolkes. Was wäre die Welt nämlich ohne Emotionen, Begeisterung und dem Willen, sich an immer neuen Herausforderungen zu orientieren?

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