29Okt

Me too

Unter dem Programmtitel “Me too” äussern sich Frauen auf der ganzen Welt über ihre Erlebnisse mit Männern, die Grenzen überschreiten. Belästigungen, anzügliche Bemerkungen und Beleidigungen, Reduktion auf Äusserlichkeiten bis hin zu erzwungenen sexuellen Handlungen gehören anscheinend zur Realität der Frau. Traurig und tragisch.

Die Bewegung “Me too” entstand vor dem Hintergrund der Anschuldigungen gegen den mächtigen Produzenten Harvey Weinstein, welcher anscheinend jahrelang Frauen zu reinen Objekten degradiert haben soll. Seither ist eine Welle der Solidarität im Gang. Es wird darüber diskutiert, welches Verhalten gegenüber Frauen erlaubt ist und wo die Grenzüberschreitung stattfindet. Bleibt bspw. die Bemerkung, dass ein Kleid einer Frau gut stehe, erlaubt oder ist hier bereits eine unerlaubte Avance zu erblicken? Darf der Säulirennen-Olmaspeaker den Wunsch nach einer attraktiven Assistenz in der Manege zum Ausdruck bringen oder geht er dabei bereits zu weit?

Als Vater von zwei Töchtern bin ich grundsätzlich froh über diese Debatte. Ein Umdenken tut tatsächlich Not. Ich glaube jeder kann von Erlebnissen berichten, welche nahe legen, dass die Frau oft über Äusserlichkeiten definiert wird und sich in bestimmten Situationen mit anzüglichen Bemerkungen oder ungewollten Avancen konfrontiert sieht. In einer Gesellschaft, die sich insbesondere gegenüber anderen Kulturen und Religionen gerne auf ihr aufgeklärtes Gedankengut beruft, sind solch testosteronorientierten  Verhaltensweisen nicht akzeptabel und stellen letztlich auch unsere gern zitierte humanistische Grundkonzeption zu Disposition. Letztlich geht es aber auch um einen vernünftigen Umgang mit dem Thema: Nicht jedes Kompliment steht im Widerspruch zu einem anständigen Umgang mit den Frauen. Es gilt immer, den konkreten Kontext zu beachten.

Aktuell wird die Hoffnung formuliert, dass der weltweite Diskurs zu diesem Thema eine Veränderung in den Denkmustern mit sich bringt und insbesondere Männer zum Nachdenken anregt. Dies ist tatsächlich zu hoffen. Für mich persönlich bleiben hingegen die Zweifel bestehen. Amerika schenkte in einer demokratischen Wahl vor nicht allzu langer Zeit einem Mann das Vertrauen, welcher durch sein rüpelhaftes Verhalten den Frauen gegenüber wohl beispiellos bleibt. Und solange US-Serien wie “Desperate Housewives” oder “Sex and the City”, die Frauen vor allem in reduzierender und verzerrender Art und Weise darstellen, als Quotenhits – ironischerweise insbesondere bei den Frauen – funktionieren, ist der entscheidende Schritt in die Zukunft wahrscheinlich noch nicht getan Auch nicht in den westlichen Ländern. Zum Leidwesen der künftigen Generation.

 

Diese Geschichte teilen.

Hinterlassen Sie eine Antwort.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht publiziert.Die erforderlichen Felder sind markiert. *

*

Datenschutz

Jeder Mensch hinterlässt Fussspuren. Im Internet heissen diese Spuren Cookies. Auf unserer Seite hinterlassen Sie nur die nötigsten Spuren. Erfahren Sie mehr darüber in unserer Datenschutzrichtlinien.

Wählen Sie eine Option aus

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies akzeptieren:
    Alle Cookies wie Tracking- und Analyse-Cookies.
  • Nur First-Party-Cookies zulassen:
    Nur Cookies von dieser Webseite.
  • Keine Cookies zulassen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, außer die aus technischen Gründen notwendigen Cookies.

Sie können ihre Cookie Einstellungen jeder Zeit anpassen: Datenschutz. Impressum

Zurück

© 2017 Gemeinde Goldach | Datenschutz | Impressum