6Aug

Mit wackligen Beinen

Am Sonntag Nachmittag in der Badhütte Rorschach. Meine Tochter fordert mich auf zum Sprung vom “Dreimeterbrett”. Eine denkbar einfache Übung, so mein erster Gedanke. Offensichtlich zwar, mit meiner Fitness steht es nicht zum Besten. Das weiss ich und dieser Umstand bleibt ferner auch nicht übersehbar. Trotzdem, gelernt ist gelernt. Schliesslich fahr ich nach wie vor mit dem Rad oder wähle bewusst die Schwarze Piste im Skigebiet. Ein Draufgänger eben.

Meine Tochter springt zuerst. Sie schlägt das Rad auf dem Sprungbrett und lässt sich dann elegant ins Wasser fallen. Ich stosse auf Verständnis, dass ich diese Übung nicht nachahmen möchte. Schliesslich ist das Sprungbrett glitschig und damit das Risiko für einen peinlichen Sturz – vor dem effektiven “freien” Fall – bereits beträchtlich.  Das Gemeine an diesen Sprungbrettern bleibt sowieso die lange Wegstrecke, welche man bis zum Ausgangspunkt für das Sprungelement zurücklegen muss. Viel Zeit, nachzudenken. Wieso ist dieses Bett plötzlich so schmal? Welche Sprungfigur soll ich zeigen? Ist die Wassertiefe wirklich ausreichend und wieso wackeln meine Beine – oder ist es das Brett – so bedrohlich. Es ist zwar drückend heiss, ich glaube aber, dass sich Angstschweiss auf meiner Stirn bildet. Seit wann habe ich eigentlich Höhenangst und wieso ist dieses Brett wohl mehr als 3 Meter von der Wasseroberfläche entfernt. Eine Schikane, eigens von den Rorschachern erstellt um den Goldacher zu piesacken, der sich wider besseres Wissen nicht in der Goldacher Badi aufhält. Klar, der ist ja in der Region noch nicht angekommen und hat sich wohl in der Gemeinde geirrt. Fragen über Fragen. Immer neue kommen hinzu. Nur der Gang bleibt wacklig. Aber ein geordneter Rückzug ist jetzt unmöglich. Ich spüre die prüfenden und kritischen Blicke eines überschaubaren Publikums im Nacken. Ich wähle bewusst eine einfache Sprungübung, treffend zu beschreiben mit den Worten “bloss so schnell wie möglich ins Wasser, aber möglichst stilsicher”. Niemand lacht. Doch, meine Tochter kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Am Meisten trifft mich aber die Bemerkung, die wie eine Frage tönt, aber keine ist: “Hattest du etwa Angst?”

Vielleicht habe ich den Beweis gesucht. Falls nicht, habe ich ihn trotzdem gefunden: Ich bin zu alt für den Sprungturm, jedenfalls für das Dreimeterbrett.

 

 

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