7Mai

Noch nicht angekommen bzw. ich kann es nicht mehr hören

In einem Leserbrief – publiziert im St. Galler Tagblatt vom 1. Mai 2018 – wurde ich zum Tatbeweis aufgefordert, dass ich in der “Region angekommen sei”. Grund für die Aufforderung blieb der Umstand, das ich mich gegen eine Übernahme des Restaurationsbetriebes auf den Kellen durch den FC Rorschach-Goldach 17 ausgesprochen hätte und den Tübacherinnen und Tübachern den Anschluss an den Seebus anscheinend nicht gönne.

Immerhin – im Sinne einer Umkehr der Beweislastverteilung – wird mir die Möglichkeit eröffnet, meine regionale Verbundenheit zu dokumentieren und Busse zu tun. Dafür brauche es lediglich die gewünschten Statements bzw. eine Handlungsweise, welche meine Verankerung in der Region dokumentiert.

Unbenommen der Tatsache, dass die kritisierten Haltungen oder Äusserungen einer demokratischen Entscheidfindung in den entsprechenden Gremien folgten, erstaunt es doch sehr, dass Meinungsvielfalt anscheinend immer dann gewünscht wird, wenn sie mit der persönlichen Auffassung übereinstimmt. Jenseits der Faktenlage werden Schlussfolgerungen gezogen, welche mit der Realität nicht viel gemein haben. Der demokratisch getroffene Entscheid, die Pacht des Restaurationsbetriebes Sporttreff Kellen bei der Familie Muttner zu belassen, stellte ganz bestimmt kein Votum gegen den FC Rorschach-Goldach 17 dar, sondern trägt der Tatsache Rechnung, dass sich der Betrieb sehr gut entwickelt und somit kein vernünftiger Grund erkennbar bleibt, sich auf eine Reise ins Ungewisse zu begeben. Die  wirtschaftlich nachhaltige Führung eines Gastronomiebetriebes ist nämlich längst keine Selbstverständlichkeit mehr, gerade bei den vorliegenden Rahmenbedingungen “auf den Kellen” mit saisonalen Schwankungen und den ertragsarmen Zeiten während den Wintermonaten braucht es ein grosses gastronomisches Know-how und Erfahrung im Event-Bereich. Andererseits wurde die Sport- und Erholungsanlage als Zweckverband mit einem regionalen Fokus konzipiert, die  Einräumung eines Sondervorteils an einen einzelnen Verein erscheint auch unter diesem Aspekt problematisch. Und wer übernimmt schliesslich die Verantwortung, wenn eine Übernahme nicht reüssiert? Der FC Rorschach-Goldach 17 wird ein solches “Garantieversprechen” – aus verständlichen Gründen – kaum leisten. Letztlich bleibt gerade in der Argumentation des Verwaltungsrates eine regionale Betrachtung erkennbar. Diese Haltung demonstrativ ins Gegenteil zu verkehren, erscheint mir populistisch und nicht zureichend reflektiert.

Die Bedeutung des FC Rorschach-Goldach 17 bleibt dabei unbestritten. All denjenigen, welche sich meist ehrenamtlich in den Dienst des Clubs stellen, gebührt unser Respekt, grosser Dank und Anerkennung. Sie leisten einen sehr wichtigen Beitrag in der heutigen Gesellschaft. Trotzdem geht es nicht an, die staatlichen Leistungen – welche insbesondere in der Bereitstellung und dem Unterhalt der Infrastruktur bestehen – als marginal oder “ich kann es nicht mehr hören” (Zitat des FC-Präsidenten Markus Hundsbichler) zu bezeichnen. Rasenplätze und Gebäulichkeiten am Dammweg oder “auf den Kellen” wurden speziell für die Nutzung durch die Fussballvereine errichtet und dienen nicht – wie beispielsweise die Turnhallen – in erster Linie den Schulen im Rahmen des obligatorischen Turnunterrichts. Eine Vergleichbarkeit ist also pe se nicht gegeben. Ausserdem zahlt die Gemeinde Goldach bspw. im Jahr 2018 über Fr. 13’000.– an den FC Rorschach-Goldach 17 für die Kinder und Jugendlichen aus Goldach. Alles ein Pappenstil und nicht der Rede wert? Ich weiss nicht, welche Einschätzung der Steuerzahler macht. Das bleibt jedem selbst überlassen. Ich habe jedenfalls Respekt vor den finanziellen Leistungen der Öffentlichkeit für unsere Vereine.

Aber zurück zum Leserbrief und damit dem nächsten gerügten Punkt, den problembeladenen Aussagen zum öffentlichen Verkehr. Nun ja, die erteilte Auskunft zur Goldacher Präferenz – einer durchgehenden Verbindung zwischen Ober- und Unterdorf – erfolgte vor dem Hintergrund einer Vernehmlassung, welche den Ausdruck von Anliegen der repräsentierten Gemeinde zum Gegenstand hat. Dies bleibt nach meiner Leseart durchaus Zweck einer Vernehmlassung unter den Adressaten. Der gewünschte Maulkorb drückt mich hingegen an einer weiteren Stellen: Es ist sicher legitim, neue Verbindungen zu fordern. Es ist aber genauso notwendig, nach der Wirtschaftlichkeit und Finanzierung zu fragen.

Nun denn, bin ich in der Region angekommen? Vielleicht – diese nicht ganz ernst gemeinte Schlussbemerkung sei erlaubt – kann ich hier mit den Worten des FC-Präsidenten antworten: “Ich kann es nicht mehr hören”. Und ich werde weiterhin das sagen, was ich denke. Die Region wird das aushalten.

 

 

 

 

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3 Kommentare

  1. sehr geehrter herr gemperli
    ich stelle fest, nicht zuletzt auch nach der hv des fc rorschach-goldach 17, dass sie doch noch etwas zeit benötigen um anzukommen, aber ich bin sicher sie schaffen das, die region wird sie und die wartezeit aushalten.

    • Dominik Gemperli

      Sehr geehrter Herr Mohler

      Besten Dank für Ihre Mail. Ihre Einschätzung deckt sich nicht mit den Rückmeldungen, die ich erhalte. Daher begegne ich Ihren Ausführungen mit Gelassenheit. Allerdings danke ich herzlich, dass Sie mir eine positive Prognose stellen. Das freut mich sehr.

      Ich wünsche Ihnen frohe Pfingsten. Beste Grüsse, Dominik Gemperli

      • sehr geehrter herr gemperli
        ich gehe davon aus, dass die rückmeldungen alle aus goldach stammen, das ist gut so, die haben sie ja auch gewählt, als rorschacher und damit einwohner der region habe ich eben ein andere sichtweise, eben die regionale..
        ich wünsche ihnen ebenfalls schöne pfingsten ubd bleibe wie sie gelassen, das kann ich auch sein, denn ich muss nicht alle paar jahre gewählt werden.

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