15Nov

Regulierungswahn und gesellschaftlich akkurates Verhalten

Der Schweizer Stürmer Haris Seferovic wird beim entscheidenden WM-Barragespiel der Schweiz gegen Nordirland ausgepfiffen. Grund dafür ist der Umstand, dass der Angreifer zahlreiche Torchancen ungenutzt liess. Zugegeben, die Pfiffe sind unangebracht. Erstens hat die Schweiz das Endrundenturnier erreicht. Und zweitens schiesst ein Stürmer kaum absichtlich am Tor vorbei. Nichtsdestotrotz, gewisse Aussagen im Anschluss an das Spiel haben mich doch überrascht. So spricht der Präsident des Schweizer Fussballverbandes in Anbetracht der Ereignisse mit aller Ernsthaftigkeit davon, dass man das Publikum “erziehen” müsse. Zahlreiche Spieler drücken mit versteinerter Miene ihre tiefe Betroffenheit bzw. das grenzenlose Unverständnis über die unfairen Zuschauer aus.

Bei aller Sympathie für den Stürmer und Mitgefühl über seine Enttäuschung stellt sich mir folgende Frage: Ist es tatsächlich angezeigt, die Notwendigkeit von erzieherischen Massnahmen gegenüben dem Publikum eines Fussballspiels zum Ausdruck zu bringen? Ist es tatsächlich richtig, den moralisierenden Zeigefinger all denjenigen entgegenzustrecken, welche sich in einer bestimmten Situation nicht akkurat verhalten?

Wir leben zunehmend in einer Gesellschaft, welche genau vorgibt, was erlaubt ist bzw. was der Mensch zu tun – oder eben zu lassen – hat. Vorschriften und Vorgaben prägen unser tägliches Leben und führen zunehmend zu einem Verlust der persönlichen Freiheit. Vor noch nicht allzu langer Zeit war es beispielsweise möglich, in Restaurants ungeniert zu rauchen. Heute reden wir bereits über Rauchverbote im Freien. Oder debattieren über ein kantonales Verbot der Bekleidung mit einer Burka oder einem Niqab im vollen Wissen und Bewusstsein, dass es kaum eine Handvoll Anwendungsfälle im Kanton St. Gallen gibt. Die kleine Anerkennung des Islams gehört demgegenüber nach Idee der Regierung genauso gesetzlich geregelt wie die von Teilen der CVP vorgeschlagene Beschulungsoffensive für junge Eltern. Aber auch für ein gesundes Leben wird gesorgt und der zulässige Zuckergehalt eines Orangensaftes bis zur letzten Kommastelle definiert. Der Mensch soll ja – vielleicht unglücklich, aber immerhin gesund – alt werden.

Verstehen Sie mich nicht falsch, viele Vorschriften und Regulative machen durchaus Sinn. Rauchfreie Restaurants sind ein Fortschritt, aber der Exzess mit zunehmendem Regulierungswahn erscheint vorprogrammiert bzw. ist nach meiner Einschätzung zum Teil bereits Realität. Wo führt diese Entwicklung hin, wenn der Mensch – überspitzt formuliert – sich nicht mehr für sein eigenes Leben verantwortlich fühlt, sondern sich zunehmend an einem staatlichen oder gesellschaftlich vorgegebenem Regulativ orientieren muss.

Professor Dr. Frei von der Universität St. Gallen hat jüngst beim Arbeitgeberverband der Region Rorschach ein höchst interessantes Referat zu diesem Thema gehalten. Fazit bleibt, dass der Normierungszwang zu einem Verlust der persönlichen und unternehmerischen Freiheit führt, welcher nicht ohne Folgen bleibt. Nur scheint dies niemanden wirklich zu stören. Uns geht es gut!

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