19Okt

Verhältnismässigkeit

Vor Kurzem hat mir jemand erzählt, dass er für satte 19 Franken nach Berlin und zurück fliege. Mit der Swiss. Das sei das günstigste Angebot gewesen, das zweit günstigste betrug 21 Franken.

Ich habe es nicht nachgerechnet, aber so viel kostet mich wahrscheinlich in etwa die Fahrt von Goldach nach Gossau, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein solches Verhältnis erscheint doch eher absurd.

Wenn ich mir überlege, welche zum Teil rigorosen Umweltschutzvorgaben in unserem alltäglichen Leben Anwendung finden und gleichzeitig die Relation zur Luftverschmutzung durch Flugreisen herzustellen versuche, empfinde ich ein Preisniveau in dieser Grössenordnung als komplett unverhältnismässig. Und eigentlich auch unzulässig. Denn es ist klar: Das Angebot bestimmt die Nachfrage. Vor dem Hintergrund der einfachen Finanzierbarkeit werden Flugreisen immer populärer, für wenige hundert Franken fliege ich heute problemlos nach New York und retour. Es ist mir schleierhaft, wie Klimaziele vor dem Hintergrund eines unsäglichen Wettbewerbs um den günstigsten Preis – und damit jenseits der Kostenrealität – erreicht werden können. Soll die durch Flugreisen stattgefundene Luftverschmutzung einigermassen in den Preisen abgebildet werden, müssten bedeutende Abgaben erhoben werden, welche für den Ticketpreis relevant sind. Das findet anscheinend nicht statt. Auf der anderen Seite wird der Autofahrer als Umweltsünder zusehends verteufelt und wer seinen Kamin nicht regelmässig bzw. turnusgetreu von Russpartikeln befreit, wird gebüsst. Ist diese Priorisierung tatsächlich der richtige Weg? Ich werde weiterhin so oft wie möglich mit dem Rad unterwegs sein. Aber ob  dies der Umwelt hilft, wenn gleichzeitig und hoch oben in den Lüften immer mehr Billigflieger ihre Kreise ziehen, mag durchaus bezweifelt werden. Aber eben, wer verreist nicht gerne und günstig in den Urlaub. Da reinige ich doch gerne meinen Kamin, jedenfalls für das gute Gewissen.

 

 

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