6Jul

Vorfeierliche Gedanken zum 1. August

Was bedeutet Patriotismus? Richard von Weizsäcker hat dazu folgendes be­merkt: “Patriotismus ist Liebe zu den Seinen; Nationalismus ist Hass auf die ande­ren“. Der 1. August ist unser Nationalfeiertag. Wir feiern die Schweiz und das, was sie als Schweiz einzigartig macht. Es geht nicht darum, die Vergangenheit zu ver­herrlichen und zu verklären oder gefährlichem nationalistischem Denken Vorschub zu leisten. Wer dies behauptet, verkennt das Zentrale: Der Staat, in welchem wir le­ben, ist immer auch Heimat. Die Menschen brauchen in der heutigen Zeit mehr denn je einen Ort, wo sie daheim sind, wo sie Wurzeln haben und wohin sie auch zurück kehren können. Das eigene Land ist auch heute noch wesentlicher Garant für den Grad der Unabhängigkeit, für die Freiheits- und Mitwirkungsrechte, für die Solidarität und das Mass des Wohlstandes. Deshalb ist es sicher nicht schlecht, sich jedes Jahr in einem feierlichen Rahmen einige Gedanken zu machen. Vor allem dann nicht, wenn man in einem grundsätzlich gut funktionierenden Staat leben darf.

Es wäre aber falsch, beim „Loben“ zu verbleiben. Wir befinden uns in einer globalisierten Welt. Auch die Schweiz muss sich in einem zunehmend veränderten Umfeld zu behaupten wissen, die Internationalisierung und Digitalisierung führt zu komplett neuen Herausforderungen. Diesen veränderten Rahmenbedingungen muss Beachtung geschenkt werden. Die Schweiz als Land ohne Rohstoffe soll sich noch mehr auf ihre Stärken besinnen. Zusätzliche Investitionen in den Bildungs- und Forschungsstandort sind daher dringend notwendig. Ferner sind die Bewilligungsverfahren für Infrastrukturvorhaben zu beschleunigen sowie – ganz grundsätzlich betrachtet – die Voraussetzungen für Neuansiedlungen von Industrie und Gewerbe zu verbessern.

Aber auch auf internationaler Ebene besteht Handlungsbedarf. Aktuell besteht der Eindruck, dass unsere nationale Politik die richtigen Antworten auf die zentralen Fragen der länderübergreifenden Zusammenarbeit noch nicht gefunden hat. Dabei geht es nicht um einfältige Rhetorik und einen verbalen Schlagabtausch, sondern um klare Hinweise auf unsere Werte und unser Selbst­verständnis. Gerade ein Land, welches den partnerschaftlichen Weg zwar sucht, in vielen Bereichen aber einen eigenen Weg beschreiten will, muss in der Lage sein, die eigenen Überzeugungen glaubwürdig darzulegen. Nur so kann man sich als Kleinstaat behaupten. Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Obwohl sich die Schweiz im Verhältnis zu Europa politisch für einen eigenen Weg entschieden hat, sind wir wirtschaftlich und gesellschaftlich eng mit unseren Nachbarn verbunden. Gute nachbarschaftliche Beziehungen muss man pflegen. Dies geschieht weder durch Abschottung noch durch überhebliche Besser­wisserei, sondern durch sachliche und lösungsorientierte Kommunikation. Man kann der europäischen Union in manchen Bereichen durchaus kritisch gegenüberstehen. Aber einen grossen Verdienst dürfen wir nicht negieren: Trotz vielen internen Querelen war Eu­ropa gesellschaftlich noch nie so stabil wie heute. Allzu leicht schwindet die Erinnerung an die kriegerische und selbstzerstörerische Vergangenheit unseres Kontinents. Und für diese Leistung, die „Leistung des Zusammenwachsens“, des „Sich-Findens“ trotz unterschiedlicher Herkunft und Interessenlage, sollten wir anerkennende Worte finden.

Die geschilderten Herausforderungen sind hingegen nicht die einzigen Fragen, die Liste lässt sich beliebig er­weitern: Zu denken ist an Themen wie Klimaschutzes, die Erhaltung der So­zialwerke, die Ausbildung unserer Jugend oder die Hilfe im Alter.

Bei dem geschilderten Aufgabenkatalog könnte sich tatsächlich ein ungutes Gefühl einstellen. Ich bin aber überzeugt, dass die Schweiz die richtigen Antworten auf die zentralen Fragen finden wird. Sie fragen sich vielleicht, woher meine Zuversicht rührt? Ich schöpfe diese Zuversicht aus den grossen Leistungen der Vergangenheit und der Gegenwart. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang und stellvertretend das fantastische Werk der Alpen­transversale. Die Schweiz hat es gewagt und es ist ihr gelungen, den mit 57 Kilome­tern längsten Eisenbahntunnel der Welt zu bauen. Diese Leistung ist ausser­gewöhnlich. Aber auch unser Beitrag in Wissen­schaft und Technik ist beachtlich. Die Schweizer Errungenschaften, z.B. im Bereich der Pharmaindustrie, sind weltweit einzigartig. In diese Schweiz setze ich mein Ver­trauen und meine ganz persönliche Hoffnung. Aber auch in die politische Schweiz vertraue ich, in unsere direkte Demokratie, wo die Mitwirkunsgsmöglichkeiten des Einzelnen beispiellos sind.

Wie den vorstehenden Ausführungen entnommen werden kann, gibt es durchaus An­lass zur Hoffnung und zu Vertrauen in die Zukunft, auch in die Zukunft der Schweiz. In diesem Sinne möchte ich diese Ausführungen mit einem Zitat schliessen. Das Zitat ist von Robert Goddard, einem der führenden Physiker im Bereich der Raumfahrttechnologie des letzten Jahrhunderts: „Es ist schwer zu sagen, was un­möglich ist, denn der Traum von gestern ist die Hoffnung von heute und die Wirklich­keit von morgen“.

 

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