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Der blaue Baum

Für alle, die – wie der Schreibende – im privaten Bereich eher zur spontanen Planung neigen, macht die nachstehende Anekdote vielleicht Mut. Gerade in der vorweihnachtlichen Zeit, welche sich gedanklich nicht mehr verdrängen lässt bzw. schon bald wieder vor der Türe steht, neigt der Mensch zu noch mehr Hektik. Eigentlich völlig unnötig, wie nachfolgende Zeilen zu erklären versuchen.

„Nächstes Jahr werde ich besser planen“. Dieses Versprechen hatte seinen Ursprung vor einigen Jahren, just zur vorweihnachtlichen Zeit. Geäussert habe ich es gegenüber allen, die es hören wollten bzw. sich über den Umstand wunderten – positiv formuliert -, dass der Weihnachtsbaum kurz vor dem heiligen Fest den Weg in die warme Stube noch nicht gefunden hatte oder die Liste der zu besorgenden Einkäufe immer noch bedrohlich viele Einträge aufwies. Fehlbares Verhalten bleibt selbstverständlich auch im privaten Bereich nicht ohne Konsequenzen: Statt einer grossgewachsenen, stolzen Nordmannstanne musste ich mich mit einer untersetzten, stacheligen Blautanne begnügen. Selbst der Transport mittels Schubkarre zu unserem Heim blieb ein Spiessrutenlauf. Immerhin: Das unattraktive Gesträuch liess sich am besten mittels einer alten Militärdecke vor den neugierigen Blicken der Nachbarn verbergen. Vielleicht meinen Sie jetzt tatsächlich, dass diese Geschichte traurig endet. Weit gefehlt. Ich habe schlicht und einfach die Betrachtungsweise und Phantasie meiner Tochter unterschätzt: Die Magie und Einzigartigkeit einer Tanne, welche vielleicht nicht dem herkömmlichen Schönheitsideal entspricht, aber mit ihrem eigenen, bläulichen Charme und der gekrümmten Haltung ein helles Kinderlachen zu erzeugen vermag, führte mich wieder einmal zurück zu der Erkenntnis, dass ein Wechsel in der Betrachtungsweise massgeblich dazu beitragen kann, Ereignisse und Sachverhalte anders zu bewerten. Die Perspektive verändert den Blickwinkel. Und kann – wie vorstehend geschildert – durchaus positive Folgen haben. Ein herzhaftes Lachen erscheint mir Entschädigung genug.

Ein Plädoyer für eine schlechte Planung also? Nur wenn man den Mut hat, mit einer blauen Tanne zu Hause aufzukreuzen. Und dazu braucht es durchaus Mut.

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