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Wahlen

In Österreich gewinnt die ÖVP die Parlamentswahlen. Sebastian Kurz von der konservativen Volkspartei wird mit der Regierungsbildung beauftragt. Wahrscheinlich erhält Österreich mit dem 31-jährigen Kurz den jüngste Kanzler seiner Geschichte. Ein personifizierter Wahlsieg. Die neu aufgestellte ÖVP ist die Partei ihres Exponenten und trägt nicht ohne Zufall den Zusatz “Liste Kurz”.

Ein ähnliches Phänomen haben wir bereits in Frankreich erlebt. Emanuel Macron hat die Wahlen mit seiner Bewegung En Marche – die Initialen verweisen auf Vor- und Nachname des neuen Präsidenten – geführt und gewonnen. Ebenfalls ein Wahlsieg, der einen fast ausschliesslichen Bezug zu einer einzelnen Person aufweist und enorme Hoffnungen in einen noch jungen Menschen setzt.

Persönlich beobachte ich diese Entwicklung mit einer gewissen Sorge. Offensichtlich ist, dass das Vertrauen in die Politik und die Politiker gelitten hat. Ursache dafür bleiben – neben unschönen Skandalen und öffensichtlichen Fehlleistungen – auch enttäuschte Erwartungen der Bevölkerung, welche vor dem Hintergund falscher oder falsch verstandener Versprechungen nicht erfüllt wurden. Oder eine Erwartungshaltung in Sachen Problemlösung, welche der immer komplexeren Lebenswirklichkeit gar nie gerecht werden kann. Dieser Sachverhalt begünstigt sicher die Wahl von charismatischen Führerpersönlichkeiten, welche in verständlich formulierter Sprache einfache Lösungen aufzeigen für die Themen, welche die Menschen beschäftigen. Der Weg zu einem Personenkult ist – man mag mir das Wortspiel verzeihen – “kurz” und verlockend. Die Medialisierung leistet ihren Beitrag dazu. Die heutige Zeit lebt von ihren gut verpackten und adrett gekleideten Helden, die genauso schnell verschwinden wie sich aufgetaucht sind. Das gilt nicht nur für die Politik, sondern auch für die Bereiche Sport, Gesellschaft und Entertainment.

Vor einigen Wochen habe ich meinen Kindern aus dem Buch “Der kleine Prinz” vorgelesen. Die Lebensgeschichte des Autors beeindruckt mich dabei immer wieder aufs Neue. Saint-Exupéry hat sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Schriftsteller im Exil in Amerika dafür entschieden, für Frankreich in den Krieg gegen die Nazis zu ziehen. Sein Dienst als Pilot eines Aufklärungsfluges endete bekanntermassen tödlich. Saint-Exupéry hätte das Leben und den erworbenen Luxus als erfolgreiche und überaus populäre Persönlichkeit des Zeitgeschehens auch geniessen können. Vielmehr musste er darum betteln, als über 40-jähriger Pilot überhaupt solche Einsätze fliegen zu dürfen. Aber das Engagement für die gerechte Sache blieb ihm wichtiger als  der persönliche Ruhm oder das eigene Wohlbefinden. Diese Einstellung, frei von Eitelkeiten, würde den Menschen auch heutzutage  gut anstehen, wo die Etikette oft mehr zählt wie der Inhalt.

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